Wunderbare Welt, Allgäuer Zeitung-Allgäu Kultur- vom 31. Januar 2026
von Rainer Hitzler
Etwas Licht in dunkler Zeit -
Wunderbare Welt von Walter Bachauer ist ein Mix aus Zukunfts- und Liebesroman

Walter Bachauers Near-Future-Roman "Wunderbare Welt" spielt um das Jahr 2040. Den Protagonisten Bruno Walter darf man wohl als Alter Ego des Autors aus Webams (bei Eggenthal/Ostallgäu) betrachten, wie das Spiel mit Vor- und Nachnamen sowie den Initialen nahelegt. In der nahen Zukunft, die Bachauer beschreibt, herrschen durch den vollzogenen Klimawandel dystopische Zustände: Das Wetter schwankt zwischen extremen Hitze- und langen Unwetterperioden. Die Infrastruktur in einer deutschen Stadt läuft am Rande des Zusammenbruchs, und Europa wird trotzdem von Klimaflüchtlingen aus aller Welt geflutet. Soweit das Setting, in dem Walter Bachauer einen psychologischen Parforceritt durch das Seelenleben der anderen Hauptperson Loisa Ritter durchdekliniert. Ausgangspunkt ist die "Rederei Walther" mit der sich Bruno in seinem trotz Klimakrise immer noch idyllischen Garten als Gesprächspartner anbietet. Hierher hat sich Bruno zurückgezogen und hält sich weitgehend von der feindlichen Umwelt fern. Durch den Tod einiger den Garten bevölkernder Tiere, wird die Fragilität auch dieses Rückzugsortes deutlich. Loisa nimmt Brunos Gesprächsangebot an, weil sie nach dem Freitod ihrer Freundin Melanie ihre Stimme verloren hat. Das ist für Loisa sehr fatal, denn sie ist (übrigens unter dem Namen Loisa Fatal) Leadsängerin der Band "Holy Flowers" und kann  somit ihrem Beruf nicht mehr nachgehen. Mit Besuchen an den Orten, die für Loisas Beziehung zu Melanie neine Rolle gespielt haben, will Bruno Loisas Blockade auflösen. Als erst befremdlich, dann aber hilfreich entpuppt sich eine innere Stimme Loisas, durch die sie mit der toten Freundin kommunizieren kann. Auch eine Liebesgeschichte zum haitianischen Flüchtling Samuel wirkt als Stabilitätsanker. Bachauer mischt in seiner "Wunderbaren Welt" Elemente klassischer, dystopischer Romane mit einer Liebesgeschichte und psychologischen Aspekten, wobei die Zwiegespräche von Loisa mit Melanie auch einen esoterischen Touch haben. Die Dystopie ist auf rein äußerliche Phänomene wie Temperaturen, Wasserknappheit, Wetter und Ähnliches reduziert. Über die Auswirkungen auf Staat und Gesellschaft gibt Bachauer keine Auskunft. Es wird nicht angesprochen, aber impliziert klar, dass die staatlichen Strukturen noch vorhanden sind - auch wenn alle mit der Situation überfordert sind. Über Loisas Liebesgeschichte mit Samuel und ihre psychologische Entwicklung berichtet der Ich-Erzähler Bruno trotz der dramatischen Ereignisse sehr zurückgenommen. Fast könnte man meinen, der Autor möchte sich durch seinen Ich-Erzähler nicht zu sehr emotional vereinnahmen lassen. Das Ende wird nicht verraten, nur so viel: Es passt eher zum Liebesroman als zur Dystopie, und der Einzelgänger Bruno findet aus seinem Gartenrefugium heraus und zurück in die Welt.

Die Kuh im Meer, Allgäuer Zeitung - Allgäu Kultur- vom 12.Juli 2024
Von Rainer Hitzler
Die Utopie von einer besseren Welt


Walter Bachauer träumt im Roman „Die Kuh im Meer“ von einer friedlichen Welt, in der Menschen das Tierwohl achten.  

Was ist das für ein Buch, in dem eine ziemlich blauäugige Tierrechtsaktivistin und ein gestandener Viehhändler aus dem Allgäu sich mit einem Mafiosi anlegen, der Lastwagen klaut und illegale Tiertransporte betreibt? Ein Krimi? Engagiert-aktivistische Literatur? Eine Liebesgeschichte? In „Die Kuh im Meer“ hat Autor Walter „Menni“ Bachauer aus Webams im Ostallgäu all das zusammengemixt, eine Prise soziale Utopie hinzugefügt und daraus einen Feelgood-Roman destilliert, bei dem die Liebesgeschichten zwar im  Mittelpunkt stehen, das Thema Tierwohl und Tiertransporte aber einen betroffen machenden Hintergrund bilden. Die Story dreht sich um Laura Wildsen, die einen Tiertransport dokumentieren möchte und sich dazu mit ihrer Videokamera in einem Viehtransporter nach Neapel versteckt. Dort lernt sie Viehhändler Alois Rottenmeier, kennen, der Nachforschungen zu einem ihm gestohlenen Lastwagen anstellt. Das ungleiche Paar tut sich zusammen, als sich herausstellt, dass der LKW-Dieb auch illegale Tiertransporte nach Nordafrika organisiert. Etwas märchenhafte Züge erhält der Roman, als genau im richtigen Moment die Contessa Gianna Montalbino als gute Fee eingreift. Die italienische Unternehmerin aus altem Adel ermöglicht den beiden Deutschen eine Recherchereise in einen afrikanischen Kleinstaat unter der Führung des progressiven Scheichs Abdul Saleh al Kamara. Das kleine Scheichtum ist eine soziale und wirtschaftliche Utopie mit gleichberechtigten muslimischen Frauen, einer solaren Energieversorgung und gut versorgten Menschen mitten im kriegszerrissenen Libyen. All das ist zwar ziemlich unwahrscheinlich und unrealistisch, als Märchen aber kurzweilig zu lesen. Walter Bachauer hat vieles in seinen vierten Roman gepackt, was man sich wünschen würde: Vernünftige, tolerante Menschen machen einen kleinen Schritt in Richtung einer Welt des friedlichen Zusammenlebens und eines achtungsvollen Umgangs mit Tieren. Eine schöne Urlaubslektüre zum Wegträumen in eine bessere Welt.

Tétouan Blues, Allgäuer Zeitung - Allgäu Kultur - vom November 2022
Von Klaus-Peter Mayr
Zwei Liebende auf der Flucht
Walter Bachauers abenteuerlicher Roman "Tétouan Blues" ist romantische Liebesgeschichte und spannender Roadtrip zugleich.

Musiker Adrian darf mit seiner Band bei einem stinkreichen Prinzen in Marokko auftreten. Dabei verlieben sich er und Nuria, die schöne, aber unterdrückte Frau des Prinzen, ineinander. Sie brennen durch, der Verlassene verfolgt das Paar durch halb Europa mit Stationen auf der Insel La Gomera, in Südfrankreich und anderswo. Adrian und Nuria können sich nirgendwo mehr sicher fühlen. So märchenhaft-abenteuerlich beginnt der neue Roman "Tétouan Blues" von Walter "Menni" Bachauer. Und so abenteuerlich mit allerlei Wendungen, mit Höheen und Tiefen geht es auf den 400 Seiten weiter. Der 65-jährige Autor aus dem Ostallgäuer Weiler Webams, den viele auch als Künstler und Musiker kennen, hat sich inzwischen ganz aufs Schreiben verlegt - eine seiner Lieblingsbeschäftigung als Rentner. "Tétouan Blues" ist der drittre Roman in vier Jahren. Der Roadtrip des Liebespaares hat einen romantischen Grundton, in dem auch Klischees und ein bisschen Kitsch mitklingen. Gleichwohl erzählt Bachauer, der alle seine Schauplätze von Reisen her kennt und liebt, eine originelle und spannende Geschichte samt starken Figurwen, angereichert mit viel Lokalkolorit.

Chimonas Lesvos - Schnee auf dem Olymp, Allgäu Kultur vom 19. November 2020
Von Harald Holstein
Drogen, Liebe und die Flüchtlinge von Lesbos
Neues Buch
- Der Ostallgäuer Autor Walter Bachauer (63) hat einen spannenden Roman geschrieben, der in Griechenland spielt. Es ist schon das dritte Buch, das der künstlerische Tausendsassa dieses Jahr veröffentlicht.

Walter Bachauer kennt die griechische Insel Lesbos sehr gut. Der Autor, der auch als Künstler und Galerist, Liedermacher und Musiker sowie als Kulturveranstalter bekannt ist, hat sie zum Schauplatz seines zweiten Romans "Chimonas Lesvos - Schnee auf dem Olymp" gemacht. Sogleich fällt einem das berühmt-berüchtigte Flüchtlingslager Moria ein. Zunächst wollte der Autor aus dem Ostallgäuer Weiler Webams bei Eggenthal nur eine Drogengeschichte erzählen, als er 2018 mit dem Schreiben begann. Dann aber nahm er das heillos überfüllte Camp, das Anfang September 2020 fast vollständig abbrannte, in den Horizont seiner Erzählung mit hinein. Herausgekommen ist eine aufregende und temporeiche Geschichte um den Libyer Massud, die bis zum Schluss fesselt. Es ist Winter (griechisch:Chimonas) auf Lesbos, eine ziemlich eisige und abweisende Jahreszeit trotz der südlichen Gefilde. Auch die Geschichte selbst ist nicht gerade gemütlich. Ungeschminkt und einfühlsam schildert sie eine harte Wirklichkeit, in der es zur Sache geht. Trotz einiger menschlich dunkler Abgründe packt der 200-seitige Roman mit Handlungsreichtum und charakterstarken Figuren. Der junge Massud aus Libyen gerät auf dem Weg ins verheißungsvolle Europa aus Geldmangel auf die schiefe Bahn. Nach ersten Erfolgen ais Schlepper träumt er vom großen Geld. Als jedoch sein Boot kentert und er selbst im Flüchtlingscamp auf Lesbos landet, wird er Kurier für einen griechischen Drogenring. Selbst abhängig geworden, bestiehlt er seinen Boss und zieht seine griechische Freundin Alexia immer tiefer in den Drogensumpf hinein. Es gibt aber auch Lichtblicke in dem knapp 200 Seiten starken, temporeichen und flüssig zu lesenden Roman: Alexia überwindet ihre Sucht, und der Deutsche Kris Pergmann geht eine Beziehung mit der traumatisierten, aber starken Rettungssanitäterin Melina ein. Mit ihrer Unerschrockenheit und Aufrichtigkeit ist sie die beeindruckendste Figur des Romans. Fast beiläufig macht Walter Bachauer Zustände und Hierarchien im Flüchtlingslager sichtbar. Anregungen und unmittelbare Einblicke für seine genauen und atmosphärisch dichten Beschreibungen des griechischen Camps holte er sich aus Recherchen und den "Files from Moria", in denen Flüchtlinge mit Handyvideos direkt aus dem Lager über ihre Situation berichteten. Seine wenig schillernde, vor allem unter Drogeneinfluß überdrehte Figur Massud ist die zwiespältigste des Roman. Mit der aggressiven Charakterisierung Vorurteile über Flüchtlinge zu bedienen, befürchtet Walter Bachauer aber nicht. "Ich sehe ihn als Einzelschiksal und wollte ihm mit dem Ende des Romans eine neue Chance geben", sagt er. Durch eine wundersame, aber glaubwürdige Wendung seiner Geschichte, die hier nicht verraten wird, gelingt dem Autor ein offener Schluss, der nach einer Fortsetzung ruft. Walter Bachauer, den viele unter dem Spitznamen "Menni" kennen, war lange Zeit auf mehreren Feldern von Kunst und Kultur tätig und veröffentlichte Bühnenprogramme und CDs mit eigenen Texten. In den letzten Jahren habe er das Schreiben an die erste Stelle gesetzt, erzählt der 63-Jährige. "Ich bin wieder zu meinen Wurzeln zurückgekehrt. Wenn ich am Tag nicht mindestens zehn Minuten oder eine Stunde schreibe,  bin ich nicht glücklich." In diesem Jahr hat Bachauer schon drei Bücher (bei Books on Demand) herausgebracht: Seinen ersten Roman mit dem Titel "Jasmin und Chickenwings", dann einen Kurzgeschichtenband mit dem Titel "Park & Write" und jetzt den Roman, der in Griechenland spielt.


Jasmin und Chickenwings, Allgäuer Zeitung Kaufbeuren vom 15. Dezember 2020
Von Martin Frei 

 Liebe in Zeiten des Burnouts 

Walter „Menni“ Bachauer erzählt kenntnisreich von einem Traumpaar, das durch eine schwere Erkrankung auseinanderdriftet. 

 Burnout – das ist für Spötter eine belächelte Modediagnose, mit der sich so einiges entschuldigen lässt. Burnout – das ist für viele Betroffene und ihre Angehörige eine tiefernste, bedrohliche Erkrankung, die das ganze Leben auf den Kopf stellt. Von einem solchen Schicksal handelt der Roman „Jasmin und Chickenwings“ des Ostallgäuer Multikunstschaffenden Walter „Menni“ Bachauer. 

Der im Eggenthaler Gemeindeteil Webams beheimatete bildende Künstler, Galerist, Musiker, Dichter und Autor (Jahrgang 1957) erzählt mit großer literarischer Freiheit, aber auch mit deutlich spürbarem biografischem Hintergrund die Geschichte von Rebecca Haunstein und ihrem Mann Marco Haller. Die Beiden waren einmal ein Traumpaar, das erschließt sich im Laufe der Lektüre. Nach brotlosen Anfängen machen sie ihren künstlerischen Weg. Sie als Möbeldesignerin, er als Bildhauer. Das wilde Leben der Boheme weicht mehr und mehr den Annehmlichkeiten und Zwängen des etablieren Kunstbetriebs. Doch dann erleidet Becci, wie er sie nennt, einen klinischen Burnout. Dauerhafte Überlastung führt zu krankhaften Veränderungen im Gehirn. 

Als auch eine riskante Operation keine Besserung der Beschwerden bringt, sind selbst die Fachärzte ratlos. Dem Künstlerpaar bleibt nichts anderes übrig, als mit dem weitgehenden Gedächtnisverlust und der starken Persönlichkeitsveränderung von Rebecca zurechtzukommen. Freunde und Verwandte stehen ihnen bei. Doch das kann nicht verhindern, dass die Leben der beiden Hauptfiguren auseinanderdriften. Sie kämpft mit ihren Unzulänglichkeiten und bringt doch ihren Mann zunehmend zur Verzweiflung. 

Marco dagegen schafft international den Durchbruch, seine Werke werden in großen Galerien und Ausstellungshallen gezeigt. Er wird Teil des Kunst-Jetsets. Eine Situation, die er durchaus zu genießen weiß, die aber im krassen Gegensatz im Kampf seiner Frau mit den einfachen Anforderungen des Alltags steht. 

Ein Urlaub in Italien beschert den Protagonisten und auch den Lesern ein Wechselbad der Gefühle. Die Reise führt ins Salento, ganz im Südosten des Landes, wo Rebeccas Vater Lucio lebt. Er war als Gastarbeiter nach Augsburg gekommen, wusste aber bei seiner Rückkehr nicht, dass er eine Tochter in Deutschland hat. Lucios Familie nimmt das Mitglied, von dem sie erst seit wenigen Jahren weiß, liebevoll auf. Marco dagegen lebt seine lange unterdrückte Sexualität mit der neuen süditalienischen Bekanntschaft Elena aus. 

Am Gardasee bewirft Rebecca wegen einer Nichtigkeit deutsche Touristen aggressiv mit den von ihr neuerdings geliebten Chickenwings, sie schließt aber auch Freundschaft mit der Tochter eines Urlauberpaares und entdeckt das Medium der Fotografie auf verstörend geniale Weise für sich. Nachdem sie sich mit dem Mädchen gedankenlos in Hinterland verlaufen hat und das eine Großfahndung nach sich zieht, wird Rebecca in die italienische Psychiatrie eingeliefert. Die kundige Behandlung dort stabilisiert ihren Zustand. Marco gerät wegen seiner Affäre dagegen zunehmend in Gewissensnöte, von denen ihn auch seine Freunde und Angehörigen nicht befreien können. Es braucht lange, bis er sich entschließt, Rebecca die Wahrheit zu sagen. Als er es endlich tut, überschlagen sich die Ereignisse. Es kommt zur Katastrophe, schließlich auch zu einer Lösung, aber sicher nicht zu einem ungetrübten Happy End. 

Dokumentarisch-darstellend 

Bachauer erzählt diesen Entwicklungsroman der etwas anderen Art sehr kenntnis- und detailreich sowie dramaturgisch durchaus gekonnt. Sprachlich allerdings ist „Jasmin und Chickenwings“ keine Offenbarung. Die Schilderungen sind dokumentarisch-darstellend, was durchaus zum Inhalt passt. Bisweilen aber driften die Beschreibungen und Dialoge ins Floskelhafte ab. Trotzdem kein Grund, Bachauers Roman nicht zu lesen. Denn das Buch stellt intensiv die Frage nach Humanismus und (Nächsten-)Liebe in Zeiten von Leistungsdruck, Selbstoptimierung und eben Burnout.